Irgendwo ist jeder Ausländer
Interkulturelles Lernen durch gemeinsames Handeln

"Was ich betonen möchte, ist, dass Ihr niemals eure Chance verpassen sollt, denn ihr könntet es bedauern, weil sie vielleicht niemals mehr auftaucht. Euer Motto sollte sein: »Tu' es jetzt«."

 

(Lord Robert Baden-Powell)

 

10 % aller Kinder, die in der Bundesrepublik Deutschland geboren werden, haben eine ausländische Staatsangehörigkeit. Sie bleiben »Ausländer« auch dann, wenn sie hier aufwachsen, zur Schule gehen und das Land ihrer Eltern nur aus Erzählungen oder von kurzen Besuchen kennen. »Deutsch ist meine Muttersprache«, sagt der 12jährige Mehmet. Seine Geburtsstadt heißt Ulm, und das Ulmer Münster kennt er besser als die »Blaue Moschee« in Istanbul. Auch die 19jährige Dongola aus Schwarzafrika lebt seit zehn Jahren in Deutschland. Sie studiert Sozialwissenschaften in Bielefeld und fühlt sich hier zu Hause, da sie ihre Heimat kaum vermißt.

Doch seit den Brandbomben von Rostock und den mörderischen Attentaten von Mölln und Solingen sprechen Einwanderinnen und Einwanderer darüber, was schon seit Jahren ihr Leben in Deutschland prägt: Angst, Ablehnung und Benachteiligung. Sie reagieren enttäuscht und verunsichert, wenn viele »normale« Bürgerinnen und Bürger den Mordanschlägen applaudieren oder durch Vorurteile und falsche Behauptungen die Stimmung anheizen.

 

 

Gemeinsam mit ausländischen Pfadfinderverbänden haben z.B. in Münster Pfadfinderinnen und Pfadfinder der DPSG unter dem Motto »Ich bin nicht allein gegen Fremdenfeindlichkeit« eine beeindruckende Demonstration organisiert. Ihr Ziel: Ein Zeichen gegen Ohnmacht und Gleichgültigkeit setzen. Dabei richtet sich der Protest der über 1000 Jugendlichen vor allem gegen die Stammtischmentalität von Politikern und anderen Verantwortlichen. »Denn die verantwortungslose Diskussion der letzten Jahre über Asylantenflut und Überfremdung haben nach allen Regeln der Demagogie bewirkt, daß die Hemmschwelle zur Gewaltbereitschaft gesenkt wurde«, begründet Wolfgang aus Münster sein Engagement.

Pfadfinderinnen und Pfadfinder setzen sich nicht nur mit Lichterketten und vielen spektakulären Einzelaktionen für das Miteinander von Deutschen und Menschen anderer kultureller Herkunft ein. Gemeinsam mit anderen Organisationen fordern sie vor allem eine veränderte Asyl- und Ausländer/innen-Politik. »Denn Haß und Gewalt haben ihre Ursachen in der Ausgrenzung und gesellschaftlichen Diskriminierung von asylsuchenden Einwanderinnen und Einwanderern«, stellt Peter vom DPSG-Fachreferat »Interkulturelles Lernen« fest. »Notwendig sind politische Entscheidungen wie die Erleichterung der Einbürgerung durch die Ermöglichung der doppelten Staatsangehörigkeit sowie die Einführung eines Antidiskriminierungsgesetzes.«

Völkerverständigung, interkulturelles Lernen und der Einsatz für Weltoffenheit und Toleranz beginnen bei den Pfadfinderinnen und Pfadfindern bereits im Alltag - am Arbeitsplatz, in der Schule, in der Nachbarschaft. In den Gruppen der DPSG demonstrieren deutsche und »ausländische« Kinder und Jugendliche, wie ein friedliches Zusammenleben aussehen kann. Dabei lernen sie Unterschiede und Gemeinsamkeiten ihrer Kulturen entdecken und erfahren das Fremde oder Unbekannte nicht als Bedrohung, sondern als Bereicherung - die beste Sicherung gegen Fremdenhaß und nationalistisches Geschrei.

 
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