Kirche und Glauben
Pfadfinder zwischen Kirche, Glauben und Handeln

"Gott ist nicht irgendeine engstirnige Persönlichkeit, wie sich das einige Leute vorstellen, sondern ein gewaltiger Geist der Liebe, der über den kleinen Unterschieden von Erscheinungen und Glaube in Herkunft steht und der jeden segnet, der wirklich versucht, sein bestes in Gottes Dienst zu tun, so gut er es eben versteht."

 

(Lord Robert Baden-Powell)

 

Etwas fröhlicher müßten die Christen sein, damit ich glauben kann, daß sie einem Gott folgen, der sie froh macht«, sagte einst der deutsche Philosoph Friedrich Wilhelm Nietzsche. Vielleicht hat er nicht ganz unrecht, wenn man beobachtet, wie griesgrämig die Menschen mitunter in den Kirchen sitzen. Dabei haben sie allen Grund, das Leben leichter zu nehmen.


Pfadfinderinnen und Pfadfinder erleben die christlichen Wurzeln und die Beziehung zu ihrer Kirche als Bereicherung. Dabei übersehen sie nicht den Unterschied zwischen dem Anspruch des Evangeliums und der kirchlichen Praxis. »Gerade mein Glauben bestärkt mich darin, mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten«, sagt die 23jährige Barbara, Pfadfinderleiterin aus München. »Und in unserer Kirchengemeinde läuft eine Menge für Jugendliche, aber in der Nachbargemeinde sieht es schon total mau aus.« Dem 25 Jahre alten Peter sagt die Kirche gar nichts. »Ich glaube an Gott und bin Pfadfinder, das reicht.« Beide versuchen wie viele tausend Pfadfinder in ihrem Verband, ihre religiösen Überzeugungen praktisch und handfest im Einsatz für Kinder und Jugendliche zu leben.

 

 

»Gott ist nicht irgendeine engstirnige Persönlichkeit«, sagte der Gründer der Weltpfadfinderbewegung Lord Robert Baden-Powell bereits zu Beginn unseres Jahrhunderts. Für Millionen von Pfadfindern war das Handeln aus dem Glauben schon immer eine wichtige Triebfeder, die Welt menschlicher zu gestalten.
Soziales Engagement ist daher ein wichtiges Element pfadfinderischer Arbeit. Junge Leute sorgen sich um die Umwelt und kümmern sich um die Integration von geistig oder körperlich Behinderten. Sie treten ein für ein friedliches Miteinander von Deutschen und Ausländern und reklamieren die Einhaltung der Menschenrechte überall auf der Welt. Wer die Lilie der DPSG trägt, verpflichtet sich, ein »Leben in tätiger Solidarität« zu führen.


»Den Glauben erfährt man nicht, wenn man mit dem Walkman auf dem Kopf in einer Kuschelecke sitzt und meditiert«, sagt Paul, Priester im Bundesvorstand in Neuss, »die Glaubensüberzeugungen und das Gebet der Pfadfinder werden erst im Handeln für andere erfahrbar, denn Scouting is doing.«
Handeln bedeutet für einen katholischen Kinder- und Jugendverband wie die DPSG aber auch, am Erscheinungsbild ihrer Kirche aktiv mitzuwirken. Die Pfadfindergruppe ist für viele Kinder und Jugendliche die einzige Möglichkeit, in der Pfarrgemeinde intensiv Gemeinschaft zu erleben und selbständig lebendige Gottesdienste zu gestalten. Bei ihren Treffen und in den Leiterrunden diskutieren Pfadfinder offen und kontrovers aktuelle Jugendfragen wie: Aids, Sexualität- und Partnerschaftsthemen - vor denen die offizielle Kirche noch allzuoft die Augen verschließt -, denn Christ-Sein heißt für Pfadfinder, den drängenden Problemen unserer Gesellschaft offensiv zu begegnen und gemeinsam Lösungen zu finden. Dabei orientieren sie sich an den vier Grundlinien pfadfinderischer Lebensauffassung: Ein Leben in Hoffnung, in Wahrheit, in Freiheit und in tätiger Solidarität zu gestalten.

 
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