Voll normal
Menschen mit Behinderungen in der DPSG

"Mit »Leistung« meine ich nicht mehr Fertigkeit im Geldverdienen, sondern eine allgemeine Intelligenz und Fähigkeit, ein freies, erfolgreiches und glückliches Leben zu leben."

 

(Lord Robert Baden-Powell)

 

»Das ist der helle Wahnsinn - soviel echte Partnerschaft, wie ich heute erleben konnte, habe ich bisher in meinem ganzen Leben nicht erfahren.« Andrea, Pfadfinderin aus Essen, war begeistert. Ausgelassen schwärmte die Rollstuhlfahrerin von der Auftaktveranstaltung zur Jahresaktion »Total normal - Behinderte in unseren Gruppen?!« Andrea ist eine von 1000 Pfadfinderinnen und Pfadfindern, die aus ganz Deutschland nach Dortmund kamen, um zu zeigen, wie ein Miteinander zwischen behinderten und nichtbehinderten Menschen aussehen kann. Unter der Devise »Total normal« demonstrierten die jungen Leute in gemeinsamen Aktionen, was sie unter Normalität verstehen. Bei Rollstuhltanz und Tastübungen mit dem Blindenstock sollten auf dem Dortmunder Europaplatz alle begreifen, wie normal es ist, daß behinderte und nichtbehinderte Kinder und Jugendliche miteinander spielen, tanzen und gemeinsam Spaß haben.  

 

 

Die Pfadfinder der DPSG sehen es als eine ihrer wichtigsten Aufgaben, zusammen mit behinderten Jungen und Mädchen in ihren Gruppen etwas zu unternehmen. »Total normal« sind daher gemeinsame Sommerlager, der gemeinsame Kampf gegen die Zerstörung unserer Umwelt und der partnerschaftliche Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit zwischen den Völkern. In ihren Diskussionen beschäftigen sich die Gruppen auch mit der Qualität verkündeter Ideale. Denn gesellschaftliche Werte wie Leistung, Schönheit und Gesundheit spielen schon bei Kindern und Jugendlichen eine große Rolle. Deswegen steht die kritische Betrachtung solcher »Ideale« im Mittelpunkt pfadfinderischer Arbeit - verbunden mit dem Abbau von Vorurteilen. Rollenspiele helfen, einander zu vertrauen, sich gegenseitig zu akzeptieren und mit der Unvollkommenheit auf beiden Seiten umzugehen. Dabei lernen die jungen Leute, wie fragwürdig die Maßstäbe für Behinderungen sind. »Sind Menschen, die weder lachen noch weinen können«, fragt sich der 18jährige Michael aus Hamburg, »nicht ebenso behindert wie andere, die blind oder taub, geistig und körperlich benachteiligt sind?«

Pfadfinder sein bedeutet nun einmal, sich auch mit dem eigenen Menschenbild und neuen gesellschaftlichen Entwicklungen kritisch auseinanderzusetzen. Ob es dabei um die absurden Thesen aus der Bio-Ethik geht, die das Lebensrecht behinderter Menschen bestreiten, oder um die Euthanasie-Diskussion - Pfadfinder treten, wann immer nötig, gegen Intoleranz und Unterdrückung ein.

 
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