Wölflinge

Eines Morgens sind wir ganz früh aufgestanden und haben uns den Sonnenaufgang angeschaut - ein tolles Gefühl, wie die Sonne ganz langsam hinter dem Wald aufgestiegen ist, schwärmt die 10jährige Anita von ihrem ersten Sommerlager. Der acht Jahre alte Bernd freut sich darüber, mit anderen zusammen spielen zu können und ganz schnell Freunde zu finden, obwohl ich erst kurze Zeit bei den Pfadfindern bin. Anita und Bernd sind zwei von vielen tausend Wölflingen. So heißen die acht- bis elfjährigen Pfadfinder der DPSG. Eines haben sie alle gemeinsam: Sie bersten vor Neugier, Wissensdurst und Lebensfreude.
Wöflinge


Wölflinge unterscheiden sich keineswegs von anderen Kindern: Sie wollen vor allem spielen und alles wissen. Unter der Devise »Schau hinter die Dinge und laufe mit offenen Augen durch die Welt« unterstützt die DPSG diese natürliche Freude am spielerischen Leben. Sie hilft den Kindern, eigene Ideen zu entwickeln und stärkt ihren Mut zu selbständigen Entscheidungen. Ich finde es ganz toll,daß jeder in der Gruppe mitbestimmen darf, wenn wir uns eine gemeinsame Aktion ausdenken, strahlt die 9jährige Carolin. Engagierte junge Frauen und Männer muntern die jungen Pfadfinder auf, für sich und ihre Umgebung Verantwortung zu übernehmen.

So trafen sich im Sommer 1993 über 1000 Mädchen und Jungen zum ersten »Kindergipfel« in Westernohe, einem Dörfchen im Westerwald, wo das Bundeszentrum der DPSG zu finden ist. Das Zeltlager stand unter dem Motto: »Für eine Welt, die uns gefällt!« Vier Tage lang ereiferten sich die jungen Pfadfinder mit großem Ernst über Themen wie Schule, Gewalt, Umwelt und Lebensraum. Noch am Lagerfeuer entbrannten heiße Diskussionen um die in der UN-Konvention garantierten Mitbestimmungsrechte für Kinder.

Tagsüber entwickelten Arbeitsgruppen neue Ideen für die Gestaltung des Schulunterrichts, prangerten fehlende Spielplätze in den Städten an und fordertenmehr Umweltschutz sowie ein friedliches Miteinander zwischen Deutschen und Ausländern. Bei all diesen Fragen wollen Wölflinge nicht nur mitreden, sie erwarten, daß ihre Wünsche auch einmal in Erfüllung gehen. Politikerinnen undPolitiker aus Bund und Ländern stellten sich den bohrenden Fragen der Mädchen und Jungen. Sprecher der verschiedenen Arbeitsgruppen faßten die Ergebnisse am Schlußtag auf einer Pressekonferenz zusammen. Die Politiker sagten zu, ihre Forderungen ernst zu nehmen. Wir hoffen, die denken auch ab und zu mal dran, sorgt sich die 10jährige Anja, und tun etwas für eine kindergerechte Welt.

Spiel ist der erste große Erzieher - das gilt sowohl für Tiere als auch für Menschen. Wir lehren die Wölflinge kleine Dinge im Spiel, was sie wahrscheinlich fit dafür macht, große Dinge ernsthaft zu tun.
Lord Robert Baden-Powell, Gründer der Weltpfadfinderbewegung

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